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kritikenDas andere Bild der Helena - Andrea Rump inszenierte Hildesheimer im TorhausVon Tomas Petzold - Dresdner Neue Nachrichten vom 02. April 2009 Sie stehen da, (fast) ganz in Weiß, wie antike Statuen. Die eine, wie sich herausstellen soll Helena, kehrt uns den Rücken zu. Es kostet eine Überwindung, sich mit einem ganz alltäglichen Gruß in einer angenommenen Rolle als schönste Frau der Welt ans Publikum zu wenden, um endlich Aufklärung darüber zu geben, welche Beweggründe sie nach Troja führten - und dass sie unschuldig sei an dessen Schicksal. Ein Mann wie Paris hat es da vielfach leichter, er geht unbesehen als Schwärmer in die Geschichte ein. Doch wie kam der frühere Schweinehirt überhaupt zum Zug? Wolfgang Hildesheimer hält nichts von Intrigen der Götter und ehernem Schicksal. In seinem Stück "Das Opfer Helena" (1955 Hörspiel, 1959 erste Bühnenfassung) fragt er im ironischen Plauderton nach den menschlichen Motiven und gesellschaftlichen Konventionen, die in die Katerstrophe des - in diesem Fall Trojanischen - Krieges führen. Doch damit spitzt sich die Geschichte zu zur Groteske, deren Abgründigkeit und schwarzer Humor auch von intensiven Aufwallungen echter - unbeherrschter, instrumenstalisierter - Gefühle überlagert wird. So jedenfalls hat es Andrea Rump mit ihrem ensemble enfant terrible auf der Torhaus-Bühne am Schloss Albrechtsberg inszeniert. Kann es wirklich sein, dass der junge Paris (Nikolai Radke) in überschäumender Schwärmerei die immerhin schon 31-jährige griechische Königin - das Schicksal einer Frau vollzog sich damals zwischen 14 und 41 - raubte, ohne an die Folgen zu denken? Er hätte wohl eher Hermione (Katja Ammer) genommen, die sittsam strenge Tochter am Stickrahmen, die darauf meist genervt mit den Fingern steppt, genervt von der Mutter mit ihrem fatalen Lebenswandel... Der Ehe mit dem plebejischen im feinen Anzug schlumpernden Menelaos (Björn Schröder) längst überdrüssig, hält sich Helena (Susanne Heubaum) mit den Gästen bei Hofe schadlos, was dieser nur scheinbar nicht bemerkt und plötzlich in einen Vorteil ummünzen will. Entweder in Sparta im Arrest versauern oder den angekündigten Prinzen Paris so becircen soll sie, dass er sie entführt und damit endlich einen Vorwand liefert für den lange geplanten Feldzug der Griechen gen Troja. Helena sieht ihre Künste herausgefordert, und auch wenn sie leise Verdacht schöpft, weil der Gast sich gar zu sehr als beflissener und auch noch unerweckter Trottel gibt, glaubt sie doch, dem Plan eine ihre genehme Richtung geben zu können. Aber Paris hat nur ein Ziel: die sich überlegen wähnenden Griechen vor die Mauern des gut gerüsteten Troja zu locken. Das hat immerhin komödiantisches Format, aber auch der trottelige Menelaos, der ständig mit einer Spielzeugkanone herumläft, bekommt, was er will. Wie die Geschichte im groben ausging, ist bekannt, wie eine solche Geschichte grundsätzlich ausgehen muss, wollen Machtbessesene bis heute nicht wahrhaben, und deshalb darf man wohl nicht müde werden, sie immer wieder zu erzählen. Menelaos macht also am Ende seine Beute, aber er ist so kaputt, wie die heutigen Kriege so manchen Soldaten in Afghanistan oder im Irak kaputt gemacht haben. Helena aber sieht noch eine Chance, einen Teil ihrer Schuld zu sühnen. Mit einer letzten verzweifelten Anstrengung versucht sie den Panzer aus Verbitterung und falsch verstandener Tugen aufzubrechen, der Hermione von der Welt isoliert. Eine anregende und auch kurzweilige Inszenierung, die geschickt mit den Kontrasten zwischen scheinbar leichtem, aber entlarvendem Palaver und existenzieller Zuspitzung arbeitet. Wiederholungen noch ungewiss - aber er A sagt, sollte in diesem Fall unbedingt auch B sagen (dürfen). |
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